Geschichte "Sehen, was wichtig ist"

 

Vor langer Zeit lebte in einer Stadt am Meer eine junge Frau. Ihr Name war Lea. Lea hatte wunderschöne große Augen. Und diese Augen wollten alles sehen. Als Lea noch klein war, musste ihre Mutter immer wieder sagen:"Lea, jetzt komm doch, wir haben es eilig!" Aber Lea konnte doch gerade nicht, denn sie hatte einen Käfer entdeckt.

Nun war Lea erwachsen geworden, aber noch immer konnte sie sich nicht sattsehen an den schönen Dingen dieser Welt.

 

Eines Tages kam der Bischof Nikolaus in diese Stadt. Er ging durch das Stadttor und sah Lea. Sie war gerade damit beschäftigt, einen Marienkäfer anzuschauen, der auf einem Grashalm emporkletterte.

 

Nikolaus sah der jungen Frau eine Weile zu und als Lea aufschaute, begegneten sich ihre Blicke. Nikolaus sah in die schönen Augen Leas und lächelte. Dann ging er weiter. Als er am Marktplatz ankam, herrschte dort geschäftiges Treiben. Händler priesen laut ihre Waren an. Frauen und Männer kauften ein, was sie zum Leben brauchten. Kinder spielten miteinander. Esel und Schafe wurden von ihren Hirten über den Platz getrieben.

 

Plötzlich erkannte ein Mann den Bischof Nikolaus. Er rief:" Da ist der Bischof Nikolaus!" Sofort war Nikolaus umringt von vielen Menschen. Alle wollten ihn sehen, denn sie hatten schon viel von ihm gehört. Die Menschen riefen:"Nikolaus, erzähl uns von Gott!"

Und da begann Nikolaus zu erzählen. Und die Menschen um ihn herum wurden ganz still.

 

Als Nikolaus zu Ende gesprochen hatte, kam ein Mann auf ihn zu. Es war ein wichtiger Mann. Heute würden wir sagen, es war der Bürgermeister der kleinen Stadt. Er sagte:"Ich begrüße dich, Bischof Nikolaus in unserer Stadt. Wir freuen uns, dass du zu uns gekommen bist und zu uns gesprochen hast. Jetzt sei mein Gast." Nikolaus nahm die Einladung an und sagte:"Zeig mir aber vorher die Stadt!"

 

Und da zeigte der Bürgermeister dem Bischof zuerst die Kirche. Es war ein großer prächtiger Bau mit hohen Säulen und vielen Figuren. Dann gingen sie wieder zum Marktplatz und der Bürgermeister zeigte auf all die Geschäfte und berichtete stolz, dass hier alles gekauft werden konnte, was man sich wünschte.

Ein großes schönes Haus am Marktplatz gehörte dem Bürgermeister und sie gingen hinein und aßen gemeinsam zu Abend.

Inzwischen war es dunkel geworden und in der Stadt war es still. Da ging Bischof Nikolaus noch einmal vor das Haus, um die Sterne anzuschauen.

 

Als er vor das Haus trat, sah er, dass noch jemand hinauf zu den Sternen blickte. Es war Lea. Er ging hin und sagte:"Ich habe dich heute schon einmal gesehen. Wie heißt du?" "Ich bin Lea", sagte sie und lächelte den Bischof an. Da sagte der Bischof:"Lea, zeig du mir die Stadt!"

 

Und da zeigte Lea dem Bischof Nikolaus die Stadt. Sie zeigte ihm den Brunnen und erzählte von den Menschen, die sich jeden Tag dort begegneten. Und Nikolaus holte sich mit einem Eimer Wasser aus dem Brunnen und Lea und er tranken davon. Dann führte Lea ihn zu einem alten verfallenen Haus. Früher war es wunderschön gewesen, das konnte man noch gut erkennen. Jetzt war es verlassen. Lea sagte:"Das ist ein schöner Platz, denn das Haus kann viele Geschichten erzählen." Und sie setzen sich und Lea erzählte eine Geschichte von Menschen, die früher einmal in diesem Haus gelebt hatten.

Danach besuchten sie den alten Thomas. Er lag im Bett; denn seine Beine hatten keine Kraft mehr. Nikolaus und Lea setzten sich zu ihm und als sie sich nach einer Weile wieder verabschiedeten, waren sie Freunde geworden.

Zuletzt ging Lea mit Nikolaus noch in ein Haus. Es war ihr Zuhause. Ihre Eltern saßen am Tisch und Nikolaus wollte sich eben zu ihnen setzen, als Lea ihn bat, vorher noch mitzukommen. Sie führte ihn in das Schlafzimmer der Kinder. Lea hatte viele Geschwister. Nikolaus schaute die schlafenden Kinder an und er sah am Leuchten in den Augen Leas, wie lieb sie ihre Schwestern und Brüder hatte.

 

Als sie später wieder draußen unter dem Sternenhimmel standen, sagte Bischof Nikolaus:"Lea, ich freue mich über dich, den du hast gute Augen. Sie sehen das, was wichtig ist!"

 

 

>>> zurück <<<